Der Juwelenraub im Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe vom Januar diesen Jahres wird möglicherweise nicht aufzuklären sein. Die beiden im Februar festgenommenen Tatverdächtigen sind wieder frei, weil die Polizei ihre Beteiligung nicht nachweisen kann: Die beiden 27-jährigen Brüder sind eineiige Zwillinge, ihr genetischer „Fingerabdruck“ ist daher identisch. So stimmt er zwar mit dem DNA-Muster des am Tatort gefundenen Schweißtropfens überein, die Spur kann aber trotzdem keinem der beiden eindeutig zugeordnet werden. Die Brüder bleiben nach Aussagen der Polizei tatverdächtig; eine Überführung ist aber mehr als fraglich. Zwar gibt es mittlerweile Analysetechniken, die auf im Laufe des Lebens auch bei eineiigen Zwillingen entstehenden Unterschieden in der DNA basieren; sie sind aber nicht als Beweismittel zugelassen. Diese DNA-Merkmale variieren von Gewebeart zu Gewebeart und von Individuum zu Individuum zu stark, um juristisch belastbare Aussagen zu machen. Vermutet wurden bereits mehrfach „Drahtzieher“ im Hintergrund des Einbruchs, die die beiden Brüder mit den identischen DNA-Mustern gezielt beauftragt haben. Letztere hatten zu allen Fragen und Tatvorwürfen konsequent geschwiegen; nach ihrer Freilassung ließen sie über einen Verwandten nur ausrichten, dass sie „stolz auf den deutschen Rechtsstaat“ seien und ihm danken würden.

(Der Tagesspiegel, 19.03.09) (uw)