DNA-Datenbanken zum Zwecke polizeilicher und staatlicher Überwachung erfahren zunehmendes Interesse von Staaten in der ganzen Welt. Ganz vorne mit dabei sind die Vereinigten Arabischen Emirate, die im Jahr 2009 mit dem Plan an die Öffentlichkeit getreten sind, eine umfassende DNA-Datenbank einrichten zu wollen. Die Datenbank soll nicht nur die Bürger und Bürgerinnen des Landes erfassen, sondern alle Menschen, die sich in den Emiraten aufhalten. Warum, ist schnell ersichtlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass 80 Prozent der Wohnbevölkerung in den Emiraten ArbeitsemigrantInnen sind, die nicht die Staatsbürgerschaft besitzen. Die Kontrolle dieser Bevölkerungsgruppe ist ein wichtiges Anliegen des Obersten Herrscherrats und des durch ihn gewählten Präsidenten. Die Vorbereitungen zur Einrichtung der umfassenden Datenbank begannen im Jahr 2006, als die Emirate und der britische Forensic Science Service (FSS) ein millionenschweres Abkommen unterzeichneten. GeneWatch UK, das amerikanische Council for Responsible Genetics (CRG) und Privacy International IR haben gegen die Unterstützung der Emirate durch den FSS protestiert und verlangen, dass die bestehenden Verträge gekündigt werden. Sie argumentieren, dass die DNA-Technologie in den Dienst einer menschenrechtsverletzenden Rechtspraxis geraten werde. So können DNA-Informationen dazu benutzt werden, uneheliche Kinder und damit Ehebruch nachzuweisen. Das Rechtssystem sieht in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei Ehebruch immer noch die Steinigung vor. Die Verantwortlichen für die DNA-Datenbank in den Emiraten erklären zwar, die Datenbank würde für solche Zwecke nicht benutzt; solche Erklärungen kennt man aber… Der Präsident von CRG Jeremy Gruber kritisiert zudem, dass auch US-amerikanische Regierungsangestellte das Kriminallabor in der Hauptstadt Abu Dhabi regelmäßig besuchen. CRG fordert, dass die amerikanische Regierung andere Regierungen beim Aufbau von solchen Datenbanken nicht beraten dürfe. In den USA wäre eine solche bevölkerungsweite DNA-Datenbank für polizeiliche Zwecke eindeutig illegal. Insofern sind allerdings auch die technischen und logistischen Erfahrungen, die jetzt beim Aufbau solcher umfassenden Datenbanksysteme in anderen Ländern gemacht werden, für Behörden in den USA oder in Europa besonders interessant. (Biopolitical Times, 16.3.11) as