Die südkoreanische Staatsanwaltschaft hat in einem in der Öffentlichkeit umstrittenen Verfahren sechs GewerkschaftlerInnen DNA-Proben entnommen und einer im letzten Juli per Gesetz eingerichteten nationalen DNA-
Datenbank zugeführt. Die Gewerkschaftsmitglieder waren zuvor wegen gewalttätigen Streikaktionen verurteilt worden. Das neue Gesetz erlaubt es, Menschen, die „wegen einem von insgesamt elf gewalttätigen Verbrechen angeklagt oder verurteilt sind“, DNA-Proben zu entnehmen. Darunter fallen Raub, Brandstiftung, Drogenhandel, Vergewaltigung und sexuelle Belästigung von Minderjährigen. Kritik kommt von den Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen, die in dieser Anwendung des Gesetzes eine unzulässige Ausweitung der DNA-Datenbank sehen und eine
Verfassungsklage angekündigt haben. Insbesondere die Gewerkschaften kritisieren, die Staatsanwaltschaft setze mit ihrem Vorgehen Streikende mit Vergewaltigern und Mördern gleich. In der Praxis werde das Gesetz als Mittel
eingesetzt, um die Gewerkschaftsbewegung zu schwächen.
Auch in China wird die Datensammlung von genetischen Proben schrittweise ausgeweitet: Erst kürzlich hat die chinesische Regierung angekündigt, die DNA von „umherstreunenden“ Kindern zu sammeln, die möglicherweise
Entführungsopfer seien. Auch in den USA wurde die Erfassung von Daten für DNA-Banken in den letzten Jahren zunehmend auf weitere Bevölkerungsgruppen ausgeweitet.
(Biopolitical Times, 14.07.11) (mf)