Die US-Regierung hat vermutlich schon seit Jahren DNA-Proben von Verwandten des gesuchten Al-Quaida-Chefs Osama Bin Laden gesammelt. Anders ist jedenfalls nicht zu erklären, dass sie als Beweis für die Identität
des in einem militärischen Sondermanöver Getöteten angeben, dass eine DNS-Analyse „99,9-prozentige Sicherheit“ verschafft habe. Denn Tote lassen sich nur mit einer eigenen Vergleichsprobe aus früherer Zeit oder anhand der
Probe eines leiblichen Angehörigen vergleichen. Im Fall Osama Bin Ladens könnten für eine solche Vergleichsprobe rund 50 Halbgeschwister in Frage kommen, jedenfalls suggeriert dies die US-Regierung. Allerdings, so führte die Journalistin Christina Berndt jüngst in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung aus, bräuchte man für eine Aussagekraft von fast hundert Prozent Vollgeschwister, Kinder oder Eltern des Verstorbenen. Laut Forensikexperten sei durch einen Vergleich mit den Proben von Halbgeschwistern eine maximale Aussagekraft von 90 Prozent zu erreichen. Dies gilt auch, wenn mehrere Halbgeschwister einbezogen werden. Moderne Sequenzierungsmethoden könnten theoretisch Abhilfe verschaffen: Sie analysieren nicht 13 oder 16 Loci des Genoms, sondern rund fünfzehn
Millionen der individuellen DNS-Abweichungen. ExpertInnen bezweifeln aber, dass diese nach der Ermordung von Bin Laden im Hubschrauber zum Einsatz kommen konnten. Sicher ist somit vor allem eines: hundertprozentige
Sicherheit gibt es nicht.
(Süddeutsche Zeitung, 06.05.11) (mf)