DNA-Tests gelten inzwischen landläufig als bombensicherer Nachweis für die Identität einer Person und deshalb auch als todsicherer Beweis vor Gericht. Dem ist mitnichten so. DNA-Tests sind nicht 100 Prozent sicher. Daran erinnert ein aktueller Fall in Italien. In Perugia wird der Mord an einer britischen Studentin im Jahr 2007 neu aufgerollt. Angeklagt sind eine Amerikanerin aus Seattle und ihr italienischer Exfreund. Ein italienisches Gericht befand beide Angeklagte auf Grund eines DNA-Tests für schuldig und verurteilte sie im Jahr 2009 zu 26 und 25 Jahren Gefängnis. Die von der Verteidigung eingeforderte unabhängige forensische Überprüfung ergab allerdings, dass die dem Urteil zugrunde liegenden DNA-Tests keine verlässlichen Ergebnisse erbracht hätten. Eine Spur sei zwar ordnungsmäßig
sicherstellt worden. Eine zweite Spur bestand allerdings nur aus einer minimalen Menge DNA. Solche Proben werfen große methodische Probleme auf, weil sie nach bisherigen Möglichkeiten kaum ausreichen, ein ausreichend individualisiertes DNA-Profil zu erstellen; also nur ein partielles DNA-Profil hergeben. Internationale Experten arbeiten seit langem an diesem Problem und empfehlen für solche Fälle ein spezifisches Vorgehen (protocol for tests on small samples). Der Bericht der unabhängigen Forensiker kommt im italienischen Mordfall zu dem Schluss, dass der aus der zweiten Probe erstellte DNA-Beweis keinen Bestand hat, weil er nicht nach internationalen Standards erstellt worden ist. Die Experten monieren außerdem die Spurensicherung der Polizei, die ebenfalls nicht nach internationalen Standards erfolgt sei. Es könne deshalb nicht ausgeschlossen werden, dass die Beweisgegenstände nachträglich mit Blut des Opfers kontaminiert worden sind. Der Ausgang des Revisionsverfahrens scheint damit offen, da sich die
Anklage ausschließlich auf die DNA-Beweise stützte.
(New York Times, 29.06.11) (as)