Archiv für August 2011

8/2011: Kampagnen-Info 4: Aktionswoche gegen internationale Vernetzung polizeilicher Datenbanken

EU-DNA-Sammelwut versenken!
Unter diesem Motto versammelte das Gen-ethische Netzwerk (GeN) am 26. August 2011 eine Reihe von FreundInnen und UnterstützerInnen vor der Berliner Vertretung der Europäischen Kommission.

Weil an diesem Tag die Vernetzung aller polizeilichen DNA-Datenbanken der EU-Staaten technisch abgeschlossen sein sollte, blieb den AktivistInnen vorerst nur eine symbolische Aktion gegen die EU-weite biologische Vorratsdatenspeicherung: Schilder und Transparente forderten die – an dem Ort in unmittelbarer Nähe von Brandenburger Tor und Reichstag zahllosen – PassantInnen auf, auf die Überwachungstendenzen in der EU zu spucken. Dafür stand ein mit einer suspekten Flüssigkeit gefüllter Bottich zur Verfügung, in den im Verlauf der Aktion immer mehr elektronische Bauteile versenkt wurden.

Mit von der Partie war natürlich auch Willi Watte, das in seinem Kampf gegen die polizeiliche DNA-Sammelwut unermüdliche Wattestäbchen. Watte diskutierte eifrig mit interessierten PassantInnen, verteilte Informationen und machte auch symbolisch deutlich, dass es nicht nur seiner Nutzung durch die Polizei entkommen ist, sondern damit auch andere zur Verweigerung motiviert: Das Wattestäbchen, einst Instrument zur Gewinnung von Speichelproben in den Händen von Polizisten, schwenkte immer wieder euphorisch eine große Hand mit der Botschaft: „Finger weg von meiner DNA!“.

Information und Mobilisierung
Um möglichst viele Menschen für den Aktionstag zu mobilisieren, veranstaltete das GeN am 25. August den Infoabend „Jäger und Sammler. DNA-Sammelwut und internationale Vernetzung polizeilicher Datenbanken“.

Constanze Kurz vom Chaos Computer Club gab einleitend einen Überblick über die Vielfalt biometrischer Erfassungstechniken und Datensammlungen und informierte über technische Möglichkeiten. Uta Wagenmann vom GeN nahm die Methode der DNA-Profilanalyse und die Funktionsweise der zentralen Datenbank beim BKA genauer unter die Lupe, Eric Töpfer von CILIP/Bürgerrrechte und Polizei gab einen Überblick über nationale DNA-Datenbanken in Europa und ihre Vernetzung, und Rechtsanwalt Sönke Hilbrans vom Republikanischen Anwaltsverein ging auf die Bedeutung der DNA-Profilanalyse für die Situation von Beschuldigten in Strafverfahren und für das Rechtssystem ein. Abschließend berichtete Willi Watte, das derzeit politisch aktivste Wattestäbchen der Republik und ständiger Begleiter der vielfältigen Aktionen in den vergangenen Monaten, stolz von Höhepunkten der Kampagne.

In der Nacht vor der Aktion gegen die Vernetzung der europäischen Datenbanken widmeten sich außerdem Susanne Schultz und Uta Wagenmann vom GeN gemeinsam mit Sill vom Chaos Computer Club in einer zweistündigen Sendung des Chaosradio auf Radio Fritz der DNA-Sammelwut der Polizei, und Alexander von Schwerin informierte bei Pi-Radio über die europäische Vernetzung der DNA-Datenbanken und die geplante Aktion.


Fotos von der Veranstaltung Jäger und Sammler, Berlin 24. August 2011

Fotos von der Veranstaltung Jäger und Sammler, DNA-Sammelwut und internationale Vernetzung polizeilicher Datenbanken am 24. August 2011 in Berlin.





Fotos (5): Aktion vor EU-Kommission, Berlin 26. August 2011

Fotos (4): Aktion vor EU-Kommission, Berlin 26. August 2011

Fotos (3): Aktion vor EU-Kommission, Berlin 26. August 2011


Fotos (2): Aktion vor EU-Kommission, Berlin 26. August 2011


Fotos (1): Aktion vor EU-Kommission, Berlin 26. August 2011






26. August 2011: Aktion „Europäische DNA-Sammelwut versenken!“ vor der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin

EU-DNA-Sammelwut versenken!
Unter diesem Motto versammelte das Gen-ethische Netzwerk (GeN) am 26. August 2011 eine Reihe von FreundInnen und UnterstützerInnen vor der Berliner Vertretung der Europäischen Kommission.

Weil an diesem Tag die Vernetzung aller polizeilichen DNA-Datenbanken der EU-Staaten technisch abgeschlossen sein sollte, blieb den AktivistInnen vorerst nur eine symbolische Aktion gegen die EU-weite biologische Vorratsdatenspeicherung: Schilder und Transparente forderten die – an dem Ort in unmittelbarer Nähe von Brandenburger Tor und Reichstag zahllosen – PassantInnen auf, auf die Überwachungstendenzen in der EU zu spucken. Dafür stand ein mit einer suspekten Flüssigkeit gefüllter Bottich zur Verfügung, in den im Verlauf der Aktion immer mehr elektronische Bauteile versenkt wurden.

Mit von der Partie war natürlich auch Willi Watte, das in seinem Kampf gegen die polizeiliche DNA-Sammelwut unermüdliche Wattestäbchen. Watte diskutierte eifrig mit interessierten PassantInnen, verteilte Informationen und machte auch symbolisch deutlich, dass es nicht nur seiner Nutzung durch die Polizei entkommen ist, sondern damit auch andere zur Verweigerung motiviert: Das Wattestäbchen, einst Instrument zur Gewinnung von Speichelproben in den Händen von Polizisten, schwenkte immer wieder euphorisch eine große Hand mit der Botschaft: „Finger weg von meiner DNA!“.

siehe auch Aktionswoche gegen internationale Vernetzung polizeilicher Datenbanken (Kampagnen-Infos Nr. 4)

Pressemitteilung GeN, 25. August 2011 EU Datensammelwut versenken!

Pressemitteilung des Gen-ethischen Netzwerk (GeN), 25. August 2011

Berlin, 25. August 2011

„EU-Datensammelwut versenken!“

Das Gen-ethische Netzwerk e.V. Berlin ruft am Stichtag der europaweiten Vernetzung nationaler Polizei-DNA-Datenbanken zu einer Aktion vor der Vertretung der EU-Kommission in Berlin auf. 

+ + + 26. August, 12 Uhr, Aktion (Versenkung von einer DNA-Datenbank in einem Kübel voller Speichel) vor der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin, Am Pariser Platz/Wilhelmstr. + + +

Im Vertrag von Prüm haben sich Mitgliedstaaten der EU auf die Vernetzung ihrer nationalen, zentralen DNA-Datenbanken festgelegt. Inzwischen ist die Datenvernetzung in einem Beschluss der Europäischen Union (EU) verankert. Außer dem automatisierten Abgleich der DNA-Daten sieht Prüm auch den Austausch weiterer datenschutzrechtlich sensibler Daten wie Fingerabdrücke, Auszug aus Fahrzeugregistern oder Informationen zu Personen bei „terroristischem Hintergrund“ vor. Die deutsche zentrale DNA-Datenbank liegt beim Bundeskriminalamt (BKA).

Das GeN kritisiert den Vertrag von Prüm als eine schleichende Unterhöhlung des Menschenrechts auf informationelle Selbstbestimmung. Die Erhebungsbedingungen von DNA-Profilen unterscheidet sich in Europa von Land zu Land. Die Erfassungspraxis in Großbritannien ist zum Beispiel weniger rechtlich abgesichert als in Schweden oder auch in Deutschland; aber auch in Deutschland liegt der Datenschutz bei der Erhebung von DNA-Profilen im Argen. Datensicherheit und Datenschutz können deshalb nicht gewährt werden.

Prüm ist nur der Anfang! Der nächste Schritt ist bereits in Vorbereitung. Im Stockholmer Programm der EU ist geplant, während der nächsten fünf Jahre die Ausweitung eines gegenseitigen Datenaustauschs mit Nicht-EU-­Staaten zu prüfen. Inzwischen führen 56 Staaten weltweit zentrale polizeiliche DNA-­Datenbanken. Deutschland hat bereits am 1. Oktober 2008 mit den USA ein Abkommen über den Austausch von DNA-Daten unterzeichnet, das am Prüm-­Vertrag orientiert ist. Das BKA selbst verfügt über eine schnell wachsende Datenbank von über 900.000 Datensätzen.

Freitag, 26.8., ist Stichtag für die europaweite Vernetzung von DNA-Datenbanken im Rahmen des Prüm-Prozess. Anlass für uns, gegen die EU-Datensammelwut und Unterhöhlung von Menschenrechten im Zeichen staatlichen Sicherheitswahns zu protestieren und die Bundesregierung zum Handeln aufzufordern:
– Wir fordern das Verbot eines automatisierten Datenabgleichs auf EU-Ebene.
– Wir fordern den sofortigen Ausstieg aus dem Abkommen über den transatlantischen Datenaustausch mit den USA und aus der europäischen und internationalen Vernetzung von DNA-Datenbanken!
– Wir fordern die Bundesregierung auf, die Erstellung von DNA-Profilen grundsätzlich zu beschränken.
– Wir fordern verbindliche Vorschriften zur Löschung von DNA-Datensätzen und die Überwachung der Löschung. Wir fordern eine leistungsfähige und unabhängige Kontrolle der Polizei.

Weitere Informationen und Petition an Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger auf der Kampagnenseite des GeN: www.fingerwegvonmeinerdna.de

Rückfragen an:
Susanne Schultz, Mitarbeiterin des Gen-ethischen Netzwerks Tel.: 0160 96715547, Uta Wagenmann: 0152 53166698

********************************

Wenn Sie auch in unseren Postverteiler wollen, dann schicken Sie uns bitte Ihre Adresse. Sie bekommen zirka fünf Mal im Jahr Informationen von uns.

Gen-ethisches Netzwerk e.V.
Brunnenstrasse 4, 10119 Berlin
Fon: 030-6857073 // Fax: 030-6841183
eMail: gen@gen-ethisches-netzwerk.de
Im Internet: www.gen-ethisches-netzwerk.de

Aktionstag 26.8. EU-Kommission, Pariser Platz