Artikel getaggt mit Das Phantom von Heilbronn

7/2009: DNA-Fingerprint III: Sklaven der Freiwilligkeit?

Dass im Polizeipräsidium Duisburg derzeit DNA-Profile von Polizeibeamten erstellt und gespeichert werden, hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf den Plan gerufen. Frank Richter, Landeschef der Gewerkschaft in Nordrhein-Westfalen, kritisiert die vorsorgliche Erfassung „bestimmter Personengruppen“, weil die DNA-Analyse als „schwerwiegender Eingriff in die Grundrechte (…) der konkreten Begründung im Einzelfall“ bedürfe und verweist auf Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Polizeibeamten und Vorgesetzten, die die Freiwilligkeit der Teilnahme an der Sammlung in Frage stellten.

Damit argumentiert Richter – wohl ohne es zu merken – gegen das gängige Prinzip der Massengentests, bei denen ebenfalls viele Menschen „freiwillig“ eine Speichelprobe abgeben, hier, weil sie fürchten, andernfalls in den Verdacht der Tatbeteiligung zu kommen.

Begründet wird die Duisburger Maßnahme mit einer besseren Aufklärung von Straftaten. Die Sammlung der DNA-Profile von Mitarbeitern soll künftig helfen, die für die Aufklärung einer Straftat wichtigen von den von Polizisten hinterlassenen Spuren am Tatort zu unterscheiden. Vorbild ist vermutlich Großbritannien, wo eine DNA-Datei nahezu aller Polizeibeamten bereits seit langem existiert.

Möglicherweise steht hinter der Hoffnung auf effektivere Ermittlungen aber auch das grundsätzliche Bedürfnis, dem jüngst als Ermittlungsmethode in Misskredit geratenen DNA-Profil wieder zu mehr Anerkennung zu verhelfen. Die unter dem Namen „Phantom von Heilbronn“ bekannt gewordene Panne mit verunreinigten Wattestäbchen jedenfalls hat einige Kreise gezogen: Ein Expertenkreis des Innenministeriums hat sich jetzt auf Qualitätsstandards für Wattestäbchen und Handschuhe geeinigt und zugleich mitgeteilt, dass „komplett DNA-freie Wattestäbchen“ noch nicht herstellbar seien.

(Ärztezeitung Online, 08.07.09; www.piratenpartei.de, 10.07.09) (uw)

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3/2009: DNA-Fingerabdruck 3: Das Phantom von Heilbronn

Das Phantom, nach dem unter anderem eine Heilbronner Sonderkommission wegen des Mordes an einer Polizistin seit zwei Jahren fahndet, existiert nicht.

Die weibliche DNA-Spur, die Ermittler in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Österreich in den vergangenen sechzehn Jahren an unterschiedlichsten Tatorten fanden, stammt von einer Mitarbeiterin des Unternehmens, in dem die für die Spurensicherung genutzten Wattestäbchen verpackt werden.

Nach Bekanntwerden des folgenreichen Irrtums – unter anderem wurden mehrere Sonderkommissionen für die Fahndung nach der zu der Spur gehörigen Person eingerichtet und über 100 Frauen zum DNA-Test gebeten, um ihre Täterschaft auszuschließen – behaupten Ermittler, Forensiker und Politiker nun, der Verdacht einer Kontamination habe schon länger bestanden.

Merkwürdig nur, dass es die Landespolizeiführung noch im Februar für nötig befunden hatte, die Ermittlungen in dem Fall an das Stuttgarter Landeskriminalamt zu verlegen, die Sonderkommission personell zu vergrößern und die Prämie für die Ergreifung der Täterin auf 300.000 Euro aufzustocken. Tatsächlich geht es vorrangig um Schadensbegrenzung. Gegenüber der alarmierten Öffentlichkeit jedenfalls bemühten sich Forensiker und Kriminologen darum, die prinzipielle Verlässlichkeit der DNA-Analyse herauszustellen und den Skandal zu einem Problem der Qualitätssicherung herunterzuspielen.

Als Lösung wurde – konsequent methodenimmanent – vorgeschlagen, künftig regelmäßig DNA-Profile der Mitarbeiter von forensischen Zulieferfirmen zu erheben und zu speichern. Das GeN warnt in einer Pressemitteilung vor einer solchen „erneuten Erweiterung der biotechnologischen Überwachung“ und fordert statt dessen unter anderem, die „zunehmend wahllosere Anhäufung von DNA-Profilen in polizeilichen Datenbanken“ zu beenden.

(www.gen-ethisches-netzwerk.de; FAZ Online, 12.02.09, 26.03.09; Spiegel Online, 26.03.09; www.dradio.de, 26.03.09) (uw)

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