Artikel getaggt mit Unschuldsbeweis durch DNA-Abgleich

6/2009: DNA-Fingerprint II: In (Vor-)Urteilen Gefangene

Während Verurteilte in der Bundesrepublik sich gegen das Stigma des lebenslangen Straftäters wehren, das der Erstellung und Speicherung einer DNA-Analyse juristisch zugrunde liegt, ist die DNA-Analyse im US-amerikanischen Rechtssystem häufig die einzige Möglichkeit für Verurteilte, Stigmata zu entkräften und daraus resultierende Falschurteile zu revidieren.

Gerade ist nun ein Kläger vor dem Obersten Gerichtshof gescheitert, der ein Verfassungsrecht auf die Verwendung der DNA-Analyse im Strafprozess geltend gemacht hatte.

Es existiere kein Grundrecht auf eine DNA-Analyse, so die Obersten Richter. Deshalb bleibe es den einzelnen Bundesstaaten überlassen, ob sie die DNA-Analyse als Beweismittel zulassen.

Als „brüchig und enttäuschend“ bezeichnete das New Yorker Innocence Project, das den Musterprozess zusammen mit dem Verurteilten geführt hatte, die Entscheidung. Zwar mussten von den bisher 240 Fällen, in denen Verurteilte durch eine DNA-Analyse entlastet wurden, weniger als ein Dutzend bis vor ein Bundesgericht gehen, bevor das Beweismittel zugelassen wurde. Es fragt sich allerdings, wie viele Verurteilte sich von den damit verbundenen Kosten abschrecken lassen und eine Zulassung der DNA-Analyse gar nicht erst beantragen.

(New Scientist, 26.06.09) (uw)

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3/2009: DNA-Fingerabdruck 2: Überflüssige Sammlung

Ein vermutlicher Justizirrtum, dem man mit einem DNA-Abgleich auf die Spur kam, beschäftigt derzeit die britischen Medien.

Sean Hodgson saß 27 Jahre im Gefängnis, weil man ihn des Mordes an einer jungen Frau im Jahre 1979 für schuldig befunden und 1982 verurteilt hatte. Er hatte die Tat mehrmals gestanden, dann aber seine Unschuld beteuert. Die Geständnisse seien auf eine Persönlichkeitsstörung zurückzuführen, so sein Anwalt.

Er veranlasste deshalb 2008 einen DNA-Abgleich mit archivierten Tatortspuren. Da keinerlei Übereinstimmungen gefunden wurden, reichte die britische Kommission zur Überprüfung von Kriminalfällen unverzüglich die Revision ein. Wird Hodgson von dem Berufungsgericht frei gesprochen, kann er mit einer Abfindungssumme in Millionenhöhe rechnen.

Auch wenn es auf den ersten Blick so scheint: Die exzessive DNA-Datensammlung durch die britische Polizei, die der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Ende 2008 gerügt hatte (vgl. GID 191, S.20 ff.), erhält durch den Fall kein besseres Image: Der Abgleich hätte auch ohne Datenbank funktioniert. Sean Hodgsons Geschichte wirft eher ein schlechtes Licht auf die Einhaltung des Prinzips „in dubio pro reo“ durch die britischen Geschworenengerichte.

(BBC News, 11.03.09; Ärztezeitung Online, 12.03.09; Daily Telegraph, 12.03.09) (sus)

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